Eine Reise in das Land der Kreativität
Es waren einmal
weiße Gesichter, die sich lautlos durch den Raum bewegen, sprachlos und doch sprechend, Körper, die durch Gesten sich begegnen, erzählen und sich wieder trennen.
Es war einmal
ein Garten mit Gestalten aus Speckstein und Ton, Formen und Wesen, entstanden aus der Begegnung mit Tieren, Pflanzen und Mutter Erde.
Es war einmal,
die Erfahrungen vieler Reiki-Schüler, dass die Praxis von Reiki sie dazu bringt, kreativ zu sein, etwas auszudrücken.
Es war einmal
das Interesse die Verbindung der Reiki-Praxis und Kreativität zu erforschen, was Phyllis Furumoto und befreundete Reiki-Meister und KünstlerInnen dazu brachte, einen Raum für die Begegnung und Erforschung von Reiki und Kreativität zu gestalten.
Es wurde die Idee des Reiki-Sommercamps geboren.
Der Ort
an dem die Idee zum Leben erwachte, war ein wunderschöner Hof in einem kleinen Dorf am Rande der Lüneburger Heide in Norden Deutschlands. Im Spätsommer kamen 50 Menschen aus 9 Nationen zusammen in einem Zeltdorf, mit zeitweilig bis zu 20 Zelten verteilt auf dem Hofgelände und im angrenzenden Wäldchen.
Erwachsene und einige Kinder gingen, gut versorgt durch eine österreichische Köchin und eine engagierte Versorgungscrew (nochmals vielen Dank), bei Regen und bei Sonnenschein auf ihre Reise in das Land der Kreativität.
Ich weiß nicht, ob einzelne Reisende konkrete Ziele hatten, für jeden wurde es eine besondere Reise in die Tiefe des eigenen Ichs.
Mandalas malen, singen im Chor und tönen, Improvisation, Musizieren, Gestalten in Ton und mit anderen Materialien, Tanzen waren die Angebote für die Entdeckung der eigenen Kreativität. Vormittags gab es feste Gruppen, nachmittags mischten sich die Gruppen.
Jeder erlebte seine eigene Reise und die Erfahrungen waren so vielfältig wie die Reisenden selbst.
So kamen in der Gruppe “Improvisation” Menschen zusammen, die noch nie ein Instrument gespielt hatten, andere hatten schlechte Erfahrungen gemacht und eine professionelle Musikerin hatte es bis dahin nicht ausprobiert auf ihrem Instrument, der Bratsche, zu improvisieren. Es war die Erfahrung, dass jeder da ansetzt, wo er oder sie gerade ist. Wenn man ein Instrument das erste Mal berührt, ohne Erwartungen nur dem inneren Impuls folgend eine Trommel, eine Gitarre oder eine Mandoline erforscht, ihren Klängen folgt, in ein Gespräch mit den anderen Instrumenten eintaucht, dann geschieht etwas.
In den vier Tagen der freien Improvisation, mit der Regel nur dann zu spielen, wenn ein innerer Impuls kommt, auch wenn es zu Beginn nur ein Ton ist, passierte viel. Es entstanden Rhythmen und Melodien, wie sie sich keiner der Gruppe vorher vorgestellt hatte.
Jeder stand in seiner Kraft und es war wunderbar zu hören wie alle zusammenspielten, wo doch jeder aus sich selbst spielte.
Die Pantomime hinter der “neutralen Maske” brachte die Möglichkeit ohne Angst, ohne Geschichte und mit Neugier die Welt zu erkunden. Dann eine andere “neutrale Maske” zu treffen war der Gipfel. Was passierte als ich einen Menschen zum ersten Mal mir gegenüber mit einer Maske sah? Ich hatte Schweiß auf der Stirn und starkes Herzklopfen und ein Gefühl von unglaublicher innerer Energie.
Als wir in der Vormittagsgruppe gemeinsam gesungen haben kamen viele Emotionen hoch. Die Singgruppe formte improvisierte Klange aus dem Herzen die so ehrlich sind, dass sie enorme Heilkräfte hervorrufen. Lange nach dem letzten gesungenen Ton lauschten wir noch in den Raum hinein, den stillen Klängen hinterher; Gemeinsamkeit entsteht.
Eine Teilnehmerin arbeitet an einer Skulptur. Sie fragt sich ob in dem rohen Stein die kreative Form nicht schon verborgen ist und sie doch nur die äussere Schale hinwegmeisselt. Es entsteht eine Kraft des Ausdrucks im sich Fallenlassen und Hingeben, die beflügelt und auch verwundert.
Doch gab es auch Grenzen, Untiefen und schmerzliche Erfahrungen. Für mich war es die Entdeckung meiner Scham, wenn ich bestimmte Bewegungen des Beckens beim Tanzen machte. In den Tagen wurde mir deutlich, wo in meinem Leben meine Scham mich hindert, das zu tun, was ich eigentlich tun möchte. Es öffnete sich ein Tor, plötzlich wusste ich, wann ich eine Bewegung “machte” und wann eine Bewegung aus mir “kam”.
Wunderschön war auch der gemeinsame Reiki-Austausch, der jeden Tag stattfand. Eine Zeit, wo jeder mit seiner individuellen Erfahrung mit Reiki doch das gleiche tat – einfach die Hände auflegen.
Ein besonderer Moment war die Erfahrung tiefsten Friedens. Während eines Reiki- Austausches fing eine Frau schmerzhaft an zu weinen, sie teilte mit uns, daß sie den Schmerz aus ihrer unglücklichen Beziehung und die zerreissenden Gefühle über die erst wenige Tage vor dem Sommercamp vollzogene Scheidung wieder spürte. Sie bekam Reiki und sie gab Reiki. Nachdem die Explosion der Emotionen sich gelegt hatte, wurde es ruhiger im Raum. Ich empfand tiefen Frieden, und eine Idee wurde in mir wach, wie es sein kann, wenn 20 Menschen zusammen etwas tun, die Hände auflegen und es entsteht Heilung und Frieden.
Im Mit-Teilen der Erfahrungen in den Gruppen und im abendlichen Treffen aller entstand, oft ohne viele Worte, das Gefühl tiefe Geheimnisse, Schmerzen und Freuden zu teilen.
Am Schluß
Tränengerührt vor Glück bei allen, die mir in so kurzer Zeit so ans Herz gewachsen sind.
Was bleibt
Ein unbeschreibliches Geschenk; ein tieferes Gefühl für das Leben; immer noch die Erfahrung, wie gut mir Reiki tut und tiefe Dankbarkeit.
Und da alle glücklich angekommen sind, findet das Reiki-Sommercamp in diesem Jahr wieder statt.
Dieser Reisebericht wurde zusammengestellt von Thomas Rattay mit Unterstützung von Mania Czjzek, Peter Mascher, Sheelara Eva Kuntze und Rainer.